Bruscarolo
ist ein besonderer Ort. Winzig klein, sehr alt und trotz der wenigen Einwohner immer für ein Spektakel zu haben.
Es leben nur zwei Familien im historischen Teil von Bruscarolo, 3 weitere Häuser sind nur zeitweise von den Besitzern während des Urlaubs bewohnt, oder von Urlaubsgästen.
Ein paar rusticos warten noch darauf, von einem Prinzen aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt und renoviert zu werden.
Was macht Bruscarolo so besonders? Wie ein Pilz hängt es an einer Hanglage, sonnenbeschienen, die ältesten Häuser sind von 1832 und sind so massiv gebaut, dass sie wohl noch weitere 150 Jahre leicht überstehen. Die Bewohner sind sehr besonders, für typische Ligurer ungewöhnlich aufgeschlossen, sehr fleißig und manchmal auch etwas skurril.
Als ich zum ersten Mal nach Bruscarolo kam, als Deutsche, als Ausländerin, wurde ich sofort sehr herzlich begrüßt. Wer wohl ins das rote Haus ziehen wird, war die Frage. Hoffentlich wieder Deutsche, mit denen hat man gute Erfahrungen gemacht.
Schnell stellte sich ein sehr guter Kontakt zu allen Bewohnern her. Willkommen sein, Hilfsbereitschaft erfahren, quasi als Familienmitglied aufgenommen sein…dies alles passierte mir in Bruscarolo.
Ich wollte ein Ferienhaus finden und habe eine Heimat gefunden und dicke Freunde.
Es ist viel geschehen in den 7 Jahren…es gab eine Trennung und Scheidung, es gab einen Wegzug, es gab ein rustico, das wieder „zum Leben erweckt“ wird und es gab viele kleine lustige Begebenheiten. Und ohne aus dem Nähkästchen zu plaudern…man könnte ein Buch nur über Bruscarolo und ihre Bewohner schreiben.
Mitten drin und live dabei, eingegliedert und aufgenommen…so fühlte ich mich in den letzten 7 Jahren. Wenn eine Begrüßung und ein Abschied sich nicht unter einer halben Stunde hin kriegen lässt, dann weiß man, dass man dazugehört.
Olivenernte in Bruscarolo
Es ist wohl ein großer Traum von deutschen Urlaubern in Italien, Oliven zu ernten. Und wenn es dann noch ein eigener Olivenbaum ist, dann geht einem schon das Herz auf.
Vor dem Haus steht der schönste Olivenbaum, der 2013 jedoch keine einzige Olive hatte. 2013 war ein sehr schlechtes Olivenjahr.
Auf dem Grundstück mit den Obstbäumen stehen zwei Ölbäume und einer davon hat getragen. Das Ergebnis der Ernte war 16 kg Oliven. Voller Freude habe ich die Oliven zur Ölmühle gebracht. Natürlich kann man keine 16 kg mahlen lassen, man braucht mindestens 250 kg. Wir haben bei Sascha mitgeholfen, Oliven bei einem Kunden zu ernten. Insgesamt haben wir mit Saschas Oliven und denen eines weiteren Bekannten 344 kg zusammengebracht.
Voller Stolz wurden die kleinen Früchte in einen großen Behälter gekippt. Nach einer einstündigen Wartezeit waren wir dran. Die Oliven wurden in einen Bunker geschüttet, dann gewaschen und über ein Förderband in eine Zerkleinerungsmaschine gefahren. In einem weitern Behälter wurden die Oliven dann 45 Minuten lang "gerührt", d.h. fermentiert. Den weiteren Vorgang konnte man nicht sehen, jedenfalls kam dann nach insgesamt 3 Stunden Wartezeit aus einem Rohr das giftgrüne Gold heraus.
Normalerweise geht man von einer Ausbeute von 12 % aus. Manche können sogar 17 oder 18 % erreichen. Sascha war sehr enttäuscht, als er ausgerechnet hat, dass bei uns die Ausbeute nur bei 8 % lag. Das ist wohl sehr bitter.
Ich habe mich trotzdem sehr gefreut, denn ich hatte sage und schreibe 1,5 Liter Olivenöl produziert. Für mich war das ein wunderbares Gefühl.
